Wer Pumpen für die Lebensmittel-, Getränke- oder Pharmaindustrie beschafft, stößt früher oder später auf den Begriff Hygienic Design und die damit verbundenen EHEDG-Richtlinien. Die EHEDG, die European Hygienic Engineering and Design Group, ist eine internationale Organisation, die seit Jahrzehnten Leitlinien für die hygienegerechte Konstruktion von Maschinen und Komponenten erarbeitet. Für Planer und Betreiber von Prozessanlagen ist das Verständnis dieser Anforderungen keine Formalität, sondern eine handfeste Grundlage für eine sichere, effiziente und gesetzeskonforme Produktion.
Gerade bei der Pumpenauswahl für hygienisch kritische Prozesse stellen sich konkrete Fragen: Welche Bauteile müssen welchen Standards entsprechen? Was bedeutet eine EHEDG-Zertifizierung im Vergleich zur bloßen Konformitätserklärung? Und welche Pumpentypen kommen überhaupt in Betracht? Dieser Artikel beantwortet diese Fragen systematisch und gibt Planern und Einkäufern eine praxisnahe Orientierung.
Die EHEDG definiert Hygieneanforderungen auf Bauteilebene, nicht nur auf Systemebene. Jede Komponente einer Pumpe, die mit dem Fördermedium in Kontakt kommt, muss spezifische Kriterien erfüllen, die eine vollständige Reinigbarkeit und mikrobielle Sicherheit gewährleisten.
Im Mittelpunkt stehen folgende Anforderungen:
Diese Anforderungen gelten nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel. Eine Pumpe mit einwandfreier Oberflächenrauheit, aber schlecht zugänglichen Dichtungskammern, erfüllt die EHEDG-Grundsätze nicht vollständig.
Viele Hersteller bewerben ihre Pumpen als „EHEDG-konform“, ohne dass eine offizielle Zertifizierung vorliegt. Dieser Unterschied ist in der Praxis erheblich und sollte bei der Lieferantenauswahl bewusst berücksichtigt werden.
EHEDG-Konformität bedeutet, dass der Hersteller erklärt, sein Produkt entspreche den Leitlinien der EHEDG. Diese Selbstauskunft ist nicht durch eine unabhängige Prüfstelle bestätigt. Sie kann trotzdem aussagekräftig sein, wenn der Hersteller die zugrunde liegenden Dokumente und Nachweise transparent offenlegt.
EHEDG-Zertifizierung hingegen setzt eine Prüfung durch ein von der EHEDG anerkanntes Institut voraus. Dabei werden Reinigbarkeit, Konstruktionsmerkmale und Materialien nach definierten Testprotokollen bewertet. Das Ergebnis ist ein offizielles Zertifikat mit Gültigkeitsdauer, das im EHEDG-Register öffentlich einsehbar ist.
Für Betreiber in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie, die im Rahmen von Audits oder Zulassungsverfahren Nachweise erbringen müssen, ist die Zertifizierung eindeutig vorzuziehen. Wer lediglich auf Herstellerangaben ohne externe Prüfung vertraut, trägt das Risiko selbst, wenn im Audit Lücken festgestellt werden.
Nicht jeder Pumpentyp lässt sich konstruktiv so gestalten, dass er die EHEDG-Anforderungen vollständig erfüllt. Die Eignung hängt von der Grundgeometrie, den Abdichtungskonzepten und der Reinigbarkeit der strömungsführenden Bauteile ab.
Drehkolbenpumpen gelten als eine der besten Optionen für hygienisch anspruchsvolle Anwendungen. Ihr Prinzip, bei dem zwei synchron laufende Kolben das Medium berührungslos fördern, ermöglicht eine totraumarme Konstruktion mit glatten, gut reinigbaren Innenräumen. Sie eignen sich besonders für viskose und strukturempfindliche Medien wie Joghurt, Soßen, Fruchtpürees oder pharmazeutische Produkte. In aseptischer Ausführung sind sie auch für sterile Prozesse in der Biotechnologie und Pharmaindustrie geeignet.
Kreiselpumpen können EHEDG-konform ausgeführt werden, wenn Laufrad, Gehäuse und Wellenabdichtung entsprechend konstruiert sind. Sie sind besonders für dünnflüssige Medien geeignet und in der Getränkeindustrie weit verbreitet. Entscheidend ist die Gehäusegeometrie: Totraumfreie Spiralgehäuse mit polierten Oberflächen und hygienischen Anschlüssen sind Voraussetzung für eine EHEDG-konforme Ausführung.
Schlauchpumpen, im süddeutschen Raum auch als Peristaltikpumpen oder Schlauchquetschpumpen bekannt, haben einen entscheidenden konstruktiven Vorteil: Das Fördermedium kommt ausschließlich mit dem Schlauch in Kontakt. Das Gehäuse und der Antrieb bleiben produktfrei. Für viele hygienisch kritische Anwendungen, insbesondere bei aggressiven oder kontaminationsempfindlichen Medien, ist das ein erheblicher Vorteil. Allerdings ist die CIP-Fähigkeit begrenzt, da der Schlauch selbst nicht mit klassischen Reinigungskreisläufen durchspült werden kann.
Druckluftmembranpumpen sind in hygienischen Ausführungen erhältlich, erreichen jedoch nicht in jedem Einsatzbereich die gleiche Reinigbarkeit wie Drehkolbenpumpen. Für Dosieraufgaben oder den Transfer von Medien mit geringeren Hygieneanforderungen können sie dennoch eine wirtschaftliche Option darstellen.
CIP (Cleaning in Place) und SIP (Sterilization in Place) sind in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie Standardverfahren, um Anlagen ohne vollständige Demontage zu reinigen und zu sterilisieren. Die EHEDG bewertet Pumpen ausdrücklich danach, ob sie diese Verfahren zuverlässig unterstützen.
Eine CIP-fähige Pumpe muss so konstruiert sein, dass Reinigungsmedien alle produktberührenden Flächen vollständig benetzen und durchspülen. Toträume, unzureichende Neigungen oder schlecht zugängliche Dichtungsbereiche verhindern das und führen zu Rückständen, die weder durch CIP noch durch manuelle Reinigung sicher entfernt werden können.
SIP-Fähigkeit stellt noch höhere Anforderungen: Alle Bauteile müssen Temperaturen von in der Regel 121 bis 134 Grad Celsius standhalten, ohne dass Dichtungen, Elastomere oder Oberflächenbeschichtungen beschädigt werden. Nicht jede Pumpe, die CIP-fähig ist, ist auch SIP-geeignet. Für pharmazeutische und biotechnologische Anwendungen ist die SIP-Fähigkeit jedoch oft eine zwingende Voraussetzung.
Ein häufig übersehener Aspekt: Die CIP-Fähigkeit einer Pumpe allein reicht nicht aus. Die Pumpe muss in das Gesamtreinigungskonzept der Anlage integriert sein. Rohrleitungsführung, Ventilpositionen und Druckverhältnisse im CIP-Kreislauf müssen aufeinander abgestimmt sein, damit die Reinigung auch tatsächlich wirksam ist.
Selbst erfahrene Planer machen bei der EHEDG-konformen Pumpenauswahl wiederkehrende Fehler. Die frühzeitige Kenntnis dieser Fallstricke spart erheblichen Aufwand bei der Inbetriebnahme und im Audit.
Wer diese Fehler von Anfang an vermeidet, spart nicht nur Zeit und Kosten, sondern schafft auch eine belastbare Dokumentationsbasis für Audits und Zulassungsverfahren. Die Pumpenauswahl nach EHEDG ist kein bürokratischer Mehraufwand, sondern eine Investition in Prozesssicherheit und Produktqualität.
Als spezialisierter Hersteller und Vertriebspartner für Industriepumpen begleiten wir Planer und Betreiber aus der Lebensmittel-, Getränke- und Pharmaindustrie bei der Auswahl und Beschaffung hygienisch geeigneter Pumpentechnik. Unser Fokus liegt dabei auf technischer Beratung, die konkret auf Ihre Prozessanforderungen eingeht, nicht auf standardisierten Produktempfehlungen.
Was wir konkret leisten:
Wenn Sie eine EHEDG-konforme Pumpenlösung für Ihre Anlage planen, sprechen Sie uns direkt an. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf und schildern Sie Ihre Anforderungen. Wir beraten Sie konkret und helfen Ihnen, die richtige Entscheidung zu treffen.