Wer eine Pumpe für schwierige Fördermedien sucht, stößt schnell auf eine entscheidende Frage: Muss die Pumpe erst befüllt werden, oder zieht sie das Medium selbstständig an? Gerade bei Schlauchpumpen – in manchen Regionen auch als Peristaltikpumpe oder Schlauchquetschpumpe bekannt – lautet die Antwort eindeutig: Ja, Schlauchpumpen sind selbstansaugend. Dieses Merkmal gehört zu ihren wichtigsten technischen Eigenschaften und macht sie in vielen industriellen Prozessen zur bevorzugten Wahl.
Doch was genau steckt hinter diesem Selbstansaugvermögen, wie weit reicht es, und wo liegen seine Grenzen? Die folgenden Abschnitte erklären das Funktionsprinzip, beleuchten typische Einsatzbereiche und ordnen die Schlauchpumpe in den Vergleich mit anderen selbstansaugenden Pumpentypen ein.
Das Selbstansaugvermögen der Schlauchpumpe ergibt sich direkt aus ihrem peristaltischen Wirkprinzip. Im Inneren des Pumpengehäuses läuft ein flexibler Schlauch, der durch rotierende Rollen oder Gleitschuhe von außen abgequetscht wird. Diese Quetschbewegung erzeugt im Schlauch ein wanderndes Unterdruckvolumen, das das Fördermedium mechanisch vorwärtsbewegt.
Entscheidend dabei ist: Der Schlauch dichtet sich beim Abquetschen vollständig ab. Es entsteht ein hermetisch getrenntes Fördervolumen, das keine Verbindung zur Druckseite hat. Genau das ermöglicht es der Pumpe, auch ohne vorherige Befüllung Luft aus der Saugleitung zu verdrängen und das Medium anzusaugen. Anders als bei einer Kreiselpumpe, die auf eine flüssigkeitsgefüllte Pumpenkammer angewiesen ist, funktioniert das Prinzip der Schlauchpumpe auch bei trockener Saugleitung zuverlässig.
Ein weiterer Vorteil: Da das Fördermedium ausschließlich im Schlauchinneren mit der Pumpe in Berührung kommt, sind keine Ventile, Dichtungen oder Gleitflächen erforderlich. Das vereinfacht nicht nur die Konstruktion, sondern macht die Pumpe auch besonders wartungsfreundlich und geeignet für aggressive, abrasive oder empfindliche Medien.
Die Selbstansaugfähigkeit einer Schlauchpumpe ist beeindruckend, aber nicht unbegrenzt. In der Praxis erreichen Schlauchpumpen Ansaughöhen von typischerweise 8 bis 9 Metern unter Normalbedingungen. Dieser Wert ist deutlich höher als bei den meisten anderen Pumpentypen und macht die Schlauchpumpe besonders attraktiv für Anwendungen, bei denen das Fördermedium tiefer als die Pumpe liegt.
Die tatsächlich erreichbare Ansaughöhe hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu gehören die Viskosität des Mediums, der Schlauchdurchmesser, die Drehzahl des Rotors sowie der Zustand des Schlauchs selbst. Bei hochviskosen Medien wie Pasten oder Gelen reduziert sich die erreichbare Ansaughöhe spürbar, da der Strömungswiderstand in der Saugleitung steigt.
Auch der Schlauchdurchmesser spielt eine Rolle: Größere Durchmesser ermöglichen höhere Fördermengen, können aber bei langen Saugleitungen die Ansaugleistung beeinflussen. Für eine zuverlässige Auslegung sollte die Saugleitung so kurz und gerade wie möglich gehalten werden. Unnötige Bögen oder Verengungen erhöhen den Druckverlust und verringern die effektive Ansaughöhe.
Ein weiterer Aspekt betrifft den Betrieb bei Trockenlauf: Schlauchpumpen tolerieren kurzzeitigen Trockenlauf deutlich besser als viele andere Pumpentypen, da keine metallischen Gleitflächen vorhanden sind. Dennoch sollte dauerhafter Trockenlauf vermieden werden, um den Schlauch zu schonen.
Die Kombination aus Selbstansaugvermögen, schonender Förderung und einfacher Reinigung macht die Schlauchpumpe zu einem vielseitigen Werkzeug in der industriellen Prozesstechnik. Besonders dort, wo andere Pumpentypen an ihre Grenzen stoßen, zeigt sie ihre Stärken.
In der Lebensmittel- und Getränkeindustrie wird die Schlauchpumpe eingesetzt, um empfindliche oder strukturierte Produkte schonend zu fördern. Fruchtfleisch, Joghurt, Soßen, Pasten und ähnliche Medien lassen sich ohne Zerstörung der Produktstruktur transportieren. Da das Medium nur den Schlauch berührt, sind Reinigung und Hygiene einfach sicherzustellen. Schlauchpumpen für Lebensmittel sind in der Regel aus lebensmittelechten Materialien gefertigt und entsprechen den gängigen Hygienenormen.
In der chemischen und pharmazeutischen Industrie überzeugt die Schlauchpumpe durch ihre Medienverträglichkeit. Aggressive Säuren, Laugen oder empfindliche Wirkstoffe kommen ausschließlich mit dem Schlauch in Kontakt, der aus dem jeweils passenden Werkstoff gewählt werden kann. Für sterile Anwendungen stehen spezielle Ausführungen zur Verfügung.
Weitere typische Einsatzbereiche umfassen:
Die Schlauchpumpe als Fördertechnik eignet sich damit besonders für Anwendungen, bei denen das Fördermedium entweder empfindlich, aggressiv oder schwer zu handhaben ist.
Nicht nur Schlauchpumpen sind selbstansaugend. Auch andere Pumpentypen besitzen diese Eigenschaft, jedoch mit unterschiedlichen Stärken und Einschränkungen. Ein Vergleich hilft dabei, die richtige Entscheidung für die jeweilige Anwendung zu treffen.
Die Druckluftmembranpumpe ist ebenfalls selbstansaugend und erreicht ähnliche Ansaughöhen wie die Schlauchpumpe. Ihr Vorteil liegt im explosionsgeschützten Betrieb, da sie ohne elektrischen Antrieb auskommt. Sie eignet sich gut für aggressive Medien und lässt sich ohne Motorsteuerung betreiben. Allerdings ist die Förderung pulsierend, was bei bestimmten Prozessen nachteilig sein kann.
Die Exzenterschneckenpumpe fördert kontinuierlich und pulsationsfrei, ist selbstansaugend und eignet sich besonders für hochviskose Medien. Im Vergleich zur Schlauchpumpe ist sie konstruktiv aufwendiger und bei abrasiven Medien anfälliger für Verschleiß an Rotor und Stator. Für pastöse Lebensmittel und viskose Industriemedien ist sie jedoch eine starke Alternative.
Kreiselpumpen sind in der Standardausführung nicht selbstansaugend. Sie benötigen eine gefüllte Pumpenkammer, um zu arbeiten. Selbstansaugende Varianten existieren, sind aber technisch aufwendiger und in der Ansaugleistung begrenzt. Für Anwendungen mit trockenem Anlauf oder wechselnden Füllständen auf der Saugseite ist die Schlauchpumpe klar im Vorteil.
Zusammenfassend gilt: Die Schlauchpumpe überzeugt besonders dann, wenn Selbstansaugvermögen, schonende Förderung und einfache Wartung gemeinsam gefragt sind. Für rein volumenintensive Förderaufgaben mit homogenen, nicht aggressiven Medien können andere Pumpentypen wirtschaftlicher sein. Die Wahl des richtigen Pumpentyps hängt immer vom konkreten Fördermedium, den Druckverhältnissen und den Hygieneanforderungen ab.
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