In hygienischen Prozessanlagen zählt die Wahl der richtigen Pumpe zu den technisch anspruchsvollsten Entscheidungen im Anlagenbau. Medien wie Joghurt, Soßen, pharmazeutische Wirkstoffe oder Kosmetikemulsionen stellen hohe Anforderungen an Materialverträglichkeit, Reinigbarkeit und schonende Förderung. Die Drehkolbenpumpe für hygienische Prozessanlagen hat sich in diesen Anwendungen als bevorzugte Lösung etabliert, weil sie produktschonende Förderung mit einfacher Reinigung und robusten Hygienestandards verbindet. Der folgende Artikel erklärt, wie diese Pumpenart aufgebaut ist, wo sie eingesetzt wird und worauf bei der Auswahl zu achten ist.
Das Funktionsprinzip der Drehkolbenpumpe basiert auf zwei gegenläufig rotierenden Kolben, die im Pumpengehäuse synchron angetrieben werden. Diese Kolben erzeugen durch ihre Drehbewegung wechselnde Volumina auf der Saug- und Druckseite, wodurch das Fördermedium nahezu pulsationsarm und schonend transportiert wird. Die Kolben berühren sich dabei nicht gegenseitig und kommen auch nicht in Kontakt mit dem Gehäuse, was den mechanischen Verschleiß erheblich reduziert.
Das Pumpengehäuse sowie alle medienberührten Bauteile bestehen bei hygienischen Ausführungen in der Regel aus hochwertigem Edelstahl, häufig 1.4404 (316L). Die Dichtungen sind aus lebensmittelzugelassenen Elastomeren wie EPDM oder PTFE gefertigt. Besonders wichtig ist die Geometrie des Pumpenraums: Glatte, totraumfreie Oberflächen verhindern das Ansammeln von Produktresten und ermöglichen eine vollständige Reinigung. Moderne Drehkolbenpumpen verfügen zudem über eine offene, gut zugängliche Gehäusekonstruktion, die Demontage und Inspektion vereinfacht.
Die Drehkolbenpumpe ist überall dort gefragt, wo empfindliche, viskose oder strukturierte Medien schonend gefördert werden müssen. Ihre Stärken kommen besonders in Prozessen zum Tragen, bei denen weder Scherung noch Druckspitzen toleriert werden können.
In der Lebensmittelverarbeitung werden Drehkolbenpumpen für Produkte wie Joghurt, Quark, Fruchtzubereitungen, Soßen, Pasten und Fruchtpüree eingesetzt. Auch die Förderung von Honig und anderen zähflüssigen Medien gelingt zuverlässig, weil die Pumpe unabhängig von der Viskosität des Mediums gleichmäßig fördert. In der Getränkeproduktion und Molkerei sorgt die schonende Förderung dafür, dass Produktstrukturen erhalten bleiben.
Für sterile und aseptische Anwendungen in der Pharmaindustrie und Biotechnologie ist eine lückenlose Rückverfolgbarkeit der eingesetzten Werkstoffe sowie eine validierbare Reinigung zwingend erforderlich. Drehkolbenpumpen in aseptischer Ausführung erfüllen diese Anforderungen und eignen sich für die Förderung von Wirkstoffen, Impfstoffen oder Zellkulturen. Entscheidend ist hier auch die Möglichkeit, die Pumpe vollständig im eingebauten Zustand zu reinigen und zu sterilisieren.
Cremes, Gele, Lotionen und andere pastöse Kosmetikprodukte lassen sich mit Drehkolbenpumpen präzise dosieren und fördern. Auch in der chemischen Industrie, wo aggressive oder reaktive Medien unter hygienischen Bedingungen verarbeitet werden, findet die Drehkolbenpumpe Anwendung, sofern die Werkstoffauswahl auf das jeweilige Medium abgestimmt ist.
Für den Einsatz in hygienischen Prozessanlagen gelten verbindliche Normen und Zertifizierungen, die sicherstellen, dass Pumpen keine Kontaminationsquelle darstellen. Die wichtigsten Referenzrahmen sind die EHEDG-Richtlinien (European Hygienic Engineering and Design Group) sowie die FDA-Anforderungen für den nordamerikanischen Markt.
EHEDG-konforme Pumpen müssen nachweislich so konstruiert sein, dass alle medienberührten Flächen vollständig reinigbar sind, keine Toträume existieren und Oberflächen definierte Rauheitswerte einhalten. Für Lebensmittelanwendungen sind zusätzlich die 3-A Sanitary Standards relevant, die besonders in der Molkerei- und Getränkeindustrie als Qualitätsmaßstab gelten. Werkstoffe müssen lebensmittelecht sein und dürfen keine Substanzen an das Fördermedium abgeben. In der Pharmaindustrie kommen darüber hinaus GMP-Anforderungen (Good Manufacturing Practice) sowie spezifische FDA-Zulassungen für Elastomere und Kunststoffkomponenten hinzu.
Im direkten Vergleich mit anderen Pumpentypen zeigt die Drehkolbenpumpe ein klar definiertes Stärken- und Schwächenprofil, das bei der Pumpenauswahl berücksichtigt werden sollte.
Gegenüber der Kreiselpumpe punktet die Drehkolbenpumpe vor allem bei viskosen Medien und bei Anwendungen, die eine gleichmäßige Fördermenge unabhängig vom Gegendruck erfordern. Kreiselpumpen eignen sich besser für dünnflüssige Medien mit hohen Volumenströmen, verlieren jedoch bei steigender Viskosität deutlich an Effizienz. Die Exzenterschneckenpumpe ist ebenfalls für viskose Medien geeignet und fördert sehr pulsationsarm, ist jedoch aufgrund ihrer Bauform schwerer zu reinigen und bei abrasiven Medien verschleißanfälliger. Die Schlauchpumpe (auch Peristaltikpumpe oder Schlauchquetschpumpe genannt) überzeugt durch vollständige Medienisolierung, ist jedoch bei hohen Drücken und Dauerbelastung in ihrer Leistungsfähigkeit begrenzt. Die Drehkolbenpumpe bietet hier einen guten Kompromiss aus Produktschonung, Reinigbarkeit, Druckbeständigkeit und Langlebigkeit, was sie zur bevorzugten Wahl in der hygienischen Fördertechnik macht.
Ein wesentlicher Vorteil der Drehkolbenpumpe im Produktionsalltag ist ihre Eignung für die CIP-Reinigung (Cleaning-in-Place). Bei CIP-fähigen Ausführungen wird die Pumpe ohne Demontage mit Reinigungsmedien durchspült, was Stillstandzeiten erheblich verkürzt und den Reinigungsaufwand minimiert.
Für Anwendungen mit besonders hohen Hygieneanforderungen steht zusätzlich die SIP-Reinigung (Sterilization-in-Place) zur Verfügung, bei der die Pumpe mit Heißdampf sterilisiert wird. Die mechanische Wartung konzentriert sich vor allem auf die regelmäßige Kontrolle der Dichtungen und Lager sowie den Austausch der Kolbendichtungen nach definierten Betriebsstunden. Da die Pumpe ohne Ventile auskommt und nur wenige bewegliche Teile besitzt, ist der Wartungsaufwand im Vergleich zu anderen Verdrängerpumpen überschaubar. Eine sorgfältige Dokumentation der Wartungsintervalle ist besonders in regulierten Branchen wie der Pharmaindustrie unerlässlich.
Die Auswahl der passenden Drehkolbenpumpe beginnt mit einer genauen Analyse des Fördermediums und der Prozessanforderungen. Folgende Parameter sind dabei entscheidend:
Neben den technischen Parametern spielen auch Serviceaspekte eine Rolle: Verfügbarkeit von Ersatzteilen, Reaktionszeiten bei Störungen und die Möglichkeit einer fachkundigen Beratung bereits in der Planungsphase sind Faktoren, die im laufenden Betrieb spürbar werden.
Wir bei Steinle Industriepumpen GmbH sind seit über 30 Jahren auf anspruchsvolle Industriepumpen spezialisiert und verfügen über umfangreiche Erfahrung im Bereich hygienischer Prozessanlagen. Unsere Drehkolbenpumpen sind in verschiedenen Ausführungen verfügbar, darunter eine Aseptik-Baureihe für sterile Anwendungen in der Pharmazie, Biotechnologie und Lebensmittelindustrie.
Unser Leistungsangebot umfasst:
Wenn Sie eine hygienische Pumpe für Ihre Prozessanlage planen oder eine bestehende Anlage optimieren möchten, sprechen Sie uns an. Nutzen Sie unseren direkten Kontakt für eine unverbindliche Fachberatung, damit wir gemeinsam die passende Lösung für Ihre Anforderungen finden.