Molkereien zählen zu den anspruchsvollsten Einsatzbereichen der Lebensmittelindustrie, wenn es um Pumpentechnik geht. Die verarbeiteten Medien reichen von dünnflüssiger Frischmilch über empfindlichen Käsebruch bis hin zu hochviskosem Joghurt und Butter. Gleichzeitig gelten strenge Hygienevorschriften, die jeden Kontaktpunkt zwischen Pumpe und Lebensmittel betreffen. Wer in der Molkerei die falsche Pumpe einsetzt, riskiert Produktschäden, Kontaminationen und kostspielige Ausfallzeiten.
Dieser Beitrag gibt einen praxisnahen Überblick über die Anforderungen an Pumpen in der Milchverarbeitung und zeigt, welche Pumpentypen für Käse-, Butter- und Joghurtproduktion geeignet sind.
Pumpen für die Milchverarbeitung müssen deutlich mehr leisten als nur Flüssigkeit von A nach B zu transportieren. Milch und Milchprodukte sind sensible Lebensmittel, deren Qualität durch mechanischen Stress, Wärmeentwicklung oder ungeeignete Werkstoffe erheblich beeinträchtigt werden kann.
Zu den zentralen Anforderungen gehören lebensmittelechte Materialien wie Edelstahl 1.4404 (316L) sowie FDA-konforme Elastomere und Dichtungswerkstoffe. Oberflächen müssen glatt und totraumfrei gestaltet sein, damit sich keine Keime ablagern können. Darüber hinaus sind EHEDG-konforme Konstruktionen in vielen Molkereibetrieben heute Standard. Die Pumpen müssen außerdem mit CIP- und SIP-Reinigungsverfahren kompatibel sein, ohne dabei ihre Funktion oder Dichtigkeit zu verlieren.
Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Scherkraft: Empfindliche Strukturen wie Käsebruch oder lebende Joghurtkulturen dürfen durch die Förderung nicht zerstört werden. Das stellt besondere Anforderungen an die Wahl des Pumpentyps.
In der Käseproduktion entstehen nach dem Dicklegen der Milch zwei Phasen: der feste Käsebruch und die flüssige Molke. Beide müssen gefördert werden, stellen aber völlig unterschiedliche Anforderungen an die eingesetzte Pumpe.
Molke ist eine dünnflüssige, leicht saure Flüssigkeit, die gut mit einer hygienischen Kreiselpumpe gefördert werden kann. Entscheidend ist, dass alle produktberührenden Teile aus lebensmittelechtem Edelstahl bestehen und die Pumpe für die CIP-Reinigung geeignet ist. Kreiselpumpen bieten hier den Vorteil hoher Förderleistungen bei vergleichsweise einfacher Wartung.
Der Käsebruch ist deutlich empfindlicher. Zu hohe Scherkräfte zerstören die Bruchstruktur und beeinflussen damit direkt die Qualität des Endprodukts. Hier kommen Schlauchpumpen (auch Peristaltikpumpen oder Schlauchquetschpumpen genannt) zum Einsatz. Sie fördern das Medium ausschließlich durch Quetschbewegungen im Schlauch, ohne dass es mit Pumpenkomponenten in direkten Kontakt kommt. Das schützt die Bruchstruktur und ermöglicht gleichzeitig eine einfache Reinigung.
Auch Drehkolbenpumpen sind in der Käseproduktion eine bewährte Wahl. Durch ihre schonende, volumetrische Förderweise eignen sie sich besonders für strukturierte, empfindliche Medien und lassen sich problemlos in CIP-Kreisläufe integrieren.
Butter und Joghurt zählen zu den viskosen Medien der Milchverarbeitung und stellen eigene Anforderungen an die Pumpentechnik. Standardkreiselpumpen stoßen hier schnell an ihre Grenzen, da sie für niederviskose Flüssigkeiten ausgelegt sind.
Bei der Joghurtproduktion spielt neben der Viskosität auch die Produktstruktur eine Rolle. Stichfester Joghurt enthält ein dreidimensionales Proteinnetz, das durch zu hohe Scherkräfte irreversibel zerstört wird. Drehkolbenpumpen sind in diesem Bereich besonders geeignet: Sie fördern schonend, präzise dosierbar und eignen sich hervorragend für hygienisch kritische Anwendungen. Unsere Aseptik-Baureihe wurde speziell für solche Anforderungen in der Lebensmittel- und Pharmabranche entwickelt.
Für die Butterherstellung und den Transport von Butterfett kommen häufig Schlauchpumpen oder Exzenterschneckenpumpen zum Einsatz. Beide Typen bewältigen hohe Viskositäten zuverlässig und ermöglichen eine gleichmäßige Förderung auch bei wechselnden Produktkonsistenzen. Wichtig ist dabei stets, dass alle Dichtungen und Schläuche aus lebensmittelechten, fettbeständigen Materialien bestehen.
In der Molkerei ist die Reinigung kein nachgelagerter Schritt, sondern integraler Bestandteil des Produktionsprozesses. CIP (Cleaning-in-Place) und SIP (Sterilization-in-Place) ermöglichen es, Pumpen und Rohrleitungen zu reinigen und zu sterilisieren, ohne das System zu demontieren. Das spart Zeit und reduziert das Kontaminationsrisiko.
Damit eine Pumpe CIP-fähig ist, muss sie bestimmte konstruktive Voraussetzungen erfüllen: keine Toträume, glatte Innenoberflächen, ausreichende Temperaturbeständigkeit der Dichtungswerkstoffe und eine durchströmbare Geometrie. Viele Standardpumpen erfüllen diese Anforderungen nicht. Für Molkereianwendungen sollten daher ausschließlich Pumpen eingesetzt werden, die ausdrücklich als CIP-kompatibel und EHEDG-konform zertifiziert sind.
SIP-Prozesse, bei denen Dampf zur Sterilisation eingesetzt wird, stellen noch höhere Anforderungen an die Temperaturbeständigkeit. Hier sind insbesondere die Dichtungen und Elastomere kritisch zu prüfen. Eine falsche Materialwahl kann dazu führen, dass Dichtungen bei wiederholten SIP-Zyklen vorzeitig versagen und Leckagen entstehen.
Die Auswahl der passenden Pumpe für eine Molkereianlage hängt von mehreren Faktoren ab, die gemeinsam betrachtet werden müssen: die Eigenschaften des Fördermediums (Viskosität, Empfindlichkeit, Temperatur), die erforderliche Fördermenge, die Druckverhältnisse im Rohrleitungssystem sowie die Anforderungen an Reinigung und Sterilisation.
Als Orientierung gilt:
Neben dem Pumpentyp ist auch die Materialwahl entscheidend. Alle produktberührenden Teile sollten aus Edelstahl 1.4404 bestehen, Dichtungen aus EPDM oder PTFE gefertigt und alle Werkstoffe FDA-konform sein. Eine fachkundige Beratung hilft dabei, diese Anforderungen systematisch zu prüfen und die passende Lösung zu finden.
Wir bei Steinle Industriepumpen GmbH begleiten Molkereibetriebe und Anlagenbauer von der Pumpenwahl bis zur Inbetriebnahme. Mit über 30 Jahren Erfahrung in der Lebensmittel- und Prozessindustrie kennen wir die spezifischen Anforderungen der Milchverarbeitung genau.
Unser Angebot umfasst:
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