In der Pharmaindustrie werden spezielle Pumpen benötigt, weil pharmazeutische Prozesse außergewöhnlich hohe Anforderungen an Hygiene, Materialverträglichkeit und Prozesssicherheit stellen. Standardindustriepumpen erfüllen diese Anforderungen konstruktionsbedingt nicht. Wer in der Pharmazie, Biotechnologie oder Medizintechnik Medien fördert, braucht Pumpen, die nachweislich steril betrieben, vollständig gereinigt und behördlich validiert werden können. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um Pumpen in der Pharmaindustrie, von den Grundanforderungen bis zur Reinigungsvalidierung.
Pumpen in der Pharmaindustrie müssen Anforderungen erfüllen, die in kaum einer anderen Branche so streng definiert sind: vollständige Totraumfreiheit, glatte und porenfreie Oberflächen, GMP-konforme Materialien sowie die Fähigkeit, rückstandslos gereinigt und sterilisiert zu werden. Hinzu kommen Dokumentations- und Nachweispflichten, die den gesamten Produktlebenszyklus abdecken.
Konkret bedeutet das: Alle medienberührten Teile müssen aus Werkstoffen bestehen, die keine Partikel oder Substanzen an das Fördermedium abgeben. Edelstahl 1.4404 (316L) und lebensmittelechte Elastomere wie EPDM oder PTFE sind in diesem Bereich Standard. Oberflächen müssen auf einen Rauheitswert von Ra ≤ 0,8 µm oder besser poliert sein, damit sich keine Keime in Mikrorissen festsetzen können.
Darüber hinaus verlangen Regularien wie die EU-GMP-Leitlinien, die FDA-Vorschriften oder die EHEDG-Richtlinien, dass Pumpen so konstruiert sind, dass sie ohne Werkzeug oder mit minimalem Aufwand demontiert, gereinigt und wieder in Betrieb genommen werden können. Eine lückenlose Dokumentation aller Materialien und Fertigungsprozesse ist dabei keine Option, sondern Pflicht.
Herkömmliche Industriepumpen sind für pharmazeutische Prozesse ungeeignet, weil sie konstruktiv nicht auf Keimfreiheit, Totraumfreiheit und vollständige Reinigbarkeit ausgelegt sind. Dichtungen, Wellenabdichtungen und Gehäusegeometrien, die in der allgemeinen Industrie problemlos funktionieren, können in pharmazeutischen Anwendungen zu Kontaminationsquellen werden.
Typische Schwachstellen herkömmlicher Pumpen im Pharmakontext:
Selbst wenn eine Standardpumpe zufällig aus einem geeigneten Material gefertigt ist, fehlt in der Regel der formale Nachweis. Ohne diesen Nachweis lässt sich eine Pumpe nicht in ein validiertes Produktionssystem einbinden, ein k.o.-Kriterium für jeden GMP-regulierten Betrieb.
In der Pharmaindustrie werden vor allem Drehkolbenpumpen, Schlauchpumpen (auch Peristaltikpumpen genannt), Kreiselpumpen in Hygienebauweise und Membranpumpen eingesetzt. Die Wahl des richtigen Pumpentyps hängt von der Viskosität des Mediums, der geforderten Scherstabilität und den Reinigungsanforderungen ab.
Drehkolbenpumpen sind in der Pharmafertigung besonders verbreitet, weil sie schonend fördern, totraumarm gebaut werden können und sich hervorragend für CIP- und SIP-Prozesse eignen. Sie verarbeiten sowohl dünnflüssige als auch hochviskose Medien und eignen sich für sterile Anwendungen, wenn sie in Aseptikausführung gebaut sind.
Schlauchpumpen, im süddeutschen Raum auch als Peristaltikpumpen oder Schlauchquetschpumpen bekannt, zeichnen sich dadurch aus, dass das Fördermedium ausschließlich mit dem Schlauchinneren in Kontakt kommt. Das macht sie ideal für kontaminationssensible Anwendungen und für den Einsatz mit aggressiven oder sterilen Medien, bei denen jede Dichtungsproblematik ausgeschlossen sein muss.
Hygienische Kreiselpumpen werden eingesetzt, wenn es auf hohe Durchflussmengen bei niedrigen Viskositäten ankommt. Sie sind nach EHEDG-Richtlinien konstruiert und lassen sich vollständig CIP-reinigen. Für sterile Anwendungen sind sie jedoch nur bedingt geeignet, da Wellendichtungen potenzielle Schwachstellen darstellen können.
Der wesentliche Unterschied zwischen einer aseptischen und einer hygienischen Pumpe liegt im Grad der geforderten Keimfreiheit. Hygienische Pumpen sind so konstruiert, dass sie effektiv gereinigt werden können und keine Keimvermehrung begünstigen. Aseptische Pumpen gehen einen Schritt weiter: Sie sind auf den Betrieb unter sterilen Bedingungen ausgelegt und müssen auch nach der Sterilisation keimfrei bleiben.
Hygienische Pumpen erfüllen Anforderungen der Lebensmittel- und Getränkeindustrie sowie einfacher pharmazeutischer Prozesse. Sie sind nach EHEDG- oder 3-A-Standards gebaut und regelmäßig CIP-fähig.
Aseptische Pumpen hingegen müssen zusätzlich SIP-fähig (Sterilization in Place) sein, also mit Heißdampf oder anderen Sterilisationsmedien in situ sterilisiert werden können. Sie werden in der Wirkstoffherstellung, der Biotechnologie und der Abfüllung steriler Arzneimittel eingesetzt. Alle Dichtungen, Verbindungen und Oberflächen müssen so ausgeführt sein, dass nach der Sterilisation keine Rekontamination möglich ist. Eine eigene Aseptikbaureihe ist für diese Anforderungen unerlässlich.
Eine Drehkolbenpumpe in der Pharmafertigung ist die richtige Wahl, wenn viskose, scherempfindliche oder partikelhaltige Medien schonend gefördert werden müssen und gleichzeitig hohe Hygieneanforderungen gelten. Sie ist außerdem dann erste Wahl, wenn CIP- und SIP-Fähigkeit in einem einzigen Pumpentyp gefordert wird.
Typische Einsatzbereiche der Drehkolbenpumpe in der Pharmabranche umfassen:
Drehkolbenpumpen bieten zudem den Vorteil, dass sie selbstansaugend sind und auch bei niedrigem Zulaufdruck zuverlässig arbeiten. Ihre symmetrische Bauweise erlaubt den Betrieb in beide Richtungen, was die Reinigung und das Entleeren von Leitungen vereinfacht.
Pumpen in der Pharmaindustrie werden durch CIP- und SIP-Verfahren gereinigt und sterilisiert sowie anschließend im Rahmen einer formalen Qualifizierung und Validierung in das Produktionssystem eingebunden. Dieser Prozess ist gesetzlich vorgeschrieben und muss vollständig dokumentiert werden.
CIP (Cleaning in Place) bezeichnet die Reinigung der Pumpe ohne Demontage durch den Einsatz von Reinigungsmedien, die durch das System gespült werden. Voraussetzung ist, dass die Pumpe totraumfrei konstruiert ist und alle Oberflächen vom Reinigungsmedium vollständig erreicht werden. SIP (Sterilization in Place) ergänzt dieses Verfahren durch die Sterilisation mit Heißdampf oder anderen Sterilisationsmitteln, ohne dass die Pumpe ausgebaut werden muss.
Neben der technischen Reinigbarkeit verlangt die GMP-Konformität eine formale Qualifizierung der Pumpe. Diese umfasst in der Regel die Installationsqualifizierung (IQ), die Betriebsqualifizierung (OQ) und die Leistungsqualifizierung (PQ). Jede dieser Phasen muss schriftlich dokumentiert und von zuständigen Stellen freigegeben werden. Hersteller von GMP-Pumpen stellen dafür in der Regel entsprechende Dokumentationspakete bereit, die Werkstoffzertifikate, Konformitätserklärungen und Prüfprotokolle enthalten.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Rückverfolgbarkeit: Jede Komponente einer pharmazeutischen Pumpe muss lückenlos dokumentiert sein, damit im Falle einer Abweichung oder eines Audits der vollständige Materialnachweis erbracht werden kann.
Wir bei Steinle Industriepumpen bieten Pharmaunternehmen, Biotechnologiebetrieben und Kosmetikherstellern ein spezialisiertes Pumpenportfolio, das die beschriebenen Anforderungen konsequent erfüllt. Unsere Drehkolbenpumpen sind in hygienischer und aseptischer Ausführung erhältlich und eignen sich für den Einsatz in GMP-regulierten Umgebungen.
Was wir konkret anbieten:
Sprechen Sie uns an, wenn Sie eine Pumpe für pharmazeutische oder hygienisch anspruchsvolle Anwendungen suchen. Wir helfen Ihnen, die richtige Lösung für Ihren Prozess zu finden, schnell, unbürokratisch und mit dem Fachwissen aus über 30 Jahren Pumpenerfahrung. Nehmen Sie jetzt Kontakt auf und schildern Sie uns Ihre Anforderungen.