In der Lebensmittelindustrie ist die Wahl der richtigen Pumpe keine rein technische Entscheidung – sie beeinflusst Produktqualität, Betriebssicherheit und die Einhaltung gesetzlicher Anforderungen. Wer Pumpen für die Lebensmittelproduktion auswählt, steht vor einer grundlegenden Frage: Kreiselpumpe oder Verdrängerpumpe? Beide Typen haben ihre Stärken, aber sie folgen völlig unterschiedlichen Förderprinzipien – und genau das entscheidet, welche Pumpe für welchen Prozess geeignet ist.
Dieser Artikel erklärt die wesentlichen Unterschiede zwischen beiden Pumpentypen, zeigt typische Einsatzgebiete in der Lebensmittelverarbeitung und gibt Ihnen konkrete Orientierung für die Pumpenauswahl in Ihrem Betrieb.
Das Verständnis des jeweiligen Förderprinzips ist der Ausgangspunkt jeder fundierten Pumpenauswahl. Kreiselpumpen und Verdrängerpumpen funktionieren grundlegend verschieden, was ihre Einsatzmöglichkeiten in der Lebensmittelindustrie direkt bestimmt.
Eine Kreiselpumpe nutzt die Rotation eines Laufrads, um dem Fördermedium kinetische Energie zu übertragen. Diese Energie wird anschließend in Druck umgewandelt. Das Prinzip ist einfach, robust und eignet sich besonders gut für dünnflüssige Medien mit geringer Viskosität, die in großen Mengen gefördert werden sollen. Der Volumenstrom hängt dabei stark vom Gegendruck im System ab.
Eine Verdrängerpumpe arbeitet nach einem anderen Prinzip: Sie schließt eine definierte Flüssigkeitsmenge ein und transportiert sie mechanisch von der Saug- zur Druckseite. Zu den bekanntesten Bauarten zählen Drehkolbenpumpen, Schlauchpumpen (im Süden auch Peristaltikpumpen oder Schlauchquetschpumpen genannt), Exzenterschneckenpumpen und Membranpumpen. Der Volumenstrom ist hier weitgehend unabhängig vom Gegendruck und bleibt konstant – ein entscheidender Vorteil bei vielen Lebensmittelanwendungen.
Die Antwort hängt vor allem vom Fördermedium und den Prozessanforderungen ab. Kreiselpumpen sind in der Getränkeindustrie weit verbreitet, während Verdrängerpumpen bei pastösen oder empfindlichen Produkten ihre Stärken ausspielen.
Überall dort, wo dünnflüssige, homogene Medien in großen Mengen bewegt werden müssen, sind Kreiselpumpen in der Lebensmittelindustrie eine bewährte Wahl. Typische Anwendungen sind die Förderung von Wasser, Milch, Fruchtsäften oder Bier in der Getränkeproduktion sowie Reinigungsflüssigkeiten in CIP-Systemen. Die Pumpen sind kompakt, wirtschaftlich und bei richtiger Auslegung sehr langlebig.
Grenzen zeigen Kreiselpumpen jedoch bei steigender Viskosität: Sobald das Medium zähflüssiger wird, sinkt der Wirkungsgrad spürbar, und die Förderleistung wird unzuverlässig. Auch bei schersensiblen Produkten, die durch intensive Rotationsbewegung beschädigt werden könnten, ist ein anderer Pumpentyp vorzuziehen.
Wer Pumpen für viskose Lebensmittel wie Honig, Soßen, Joghurt, Fruchtpüree oder Fleischerzeugnisse benötigt, kommt an Verdrängerpumpen kaum vorbei. Drehkolbenpumpen fördern das Medium schonend und pulsationsarm, was die Produktstruktur erhält. Schlauchpumpen eignen sich besonders für Produkte mit festen Bestandteilen oder für die präzise Dosierung empfindlicher Zutaten. Exzenterschneckenpumpen sind die erste Wahl für pastöse Medien und Produkte mit hoher Viskosität in der Backwaren- oder Feinkostindustrie.
In der Lebensmittelproduktion sind hygienische Anforderungen nicht verhandelbar. Eine hygienische Pumpe für die Lebensmittelproduktion muss so konstruiert sein, dass sich Produktrückstände nicht in Totzonen ablagern und eine zuverlässige Reinigung möglich ist.
Kreiselpumpen in hygienischer Ausführung erfüllen diese Anforderungen gut, sofern sie nach EHEDG-Richtlinien konstruiert und aus lebensmittelechtem Edelstahl (üblicherweise 1.4404 / AISI 316L) gefertigt sind. Sie sind in der Regel CIP-fähig (Cleaning-in-Place) und lassen sich ohne vollständige Demontage reinigen. Für Anwendungen, bei denen eine vollständige Sterilisation erforderlich ist, stehen aseptische Ausführungen zur Verfügung.
Verdrängerpumpen stellen in puncto Reinigung höhere Anforderungen, da mehr bewegliche Teile und komplexere Geometrien vorhanden sind. Hochwertige Drehkolbenpumpen sind jedoch ebenfalls CIP- und SIP-fähig (Sterilization-in-Place) und entsprechen den gängigen Normen für die Pharmazie und die Lebensmittelindustrie. Entscheidend ist, dass alle produktberührenden Werkstoffe FDA-zugelassen und lebensmittelecht sind – das gilt für Dichtungen ebenso wie für Metallteile.
Neben dem Förderprinzip und der Hygiene sind drei weitere Parameter für die Pumpenauswahl ausschlaggebend: das Druckverhalten, die Viskosität des Mediums und die Verschleißanfälligkeit im Betrieb.
Kreiselpumpen liefern bei niedrigem Gegendruck hohe Fördermengen, verlieren aber bei steigendem Druck an Effizienz. Bei Verdrängerpumpen ist der Volumenstrom druckunabhängig und konstant – das macht sie für Dosierprozesse und Abfüllanlagen besonders wertvoll, wo Genauigkeit entscheidend ist.
Bei der Viskosität gilt als Faustregel: Kreiselpumpen sind bis etwa 200 mPas effizient einsetzbar, darüber hinaus steigt der Energiebedarf überproportional. Verdrängerpumpen hingegen fördern auch hochviskose Medien bis in den Bereich mehrerer tausend mPas zuverlässig. Was den Verschleiß betrifft, sind Kreiselpumpen bei sauberen, nicht-abrasiven Medien sehr robust. Verdrängerpumpen mit Elastomerbauteilen – etwa Schlauchpumpen oder Exzenterschneckenpumpen – unterliegen einem höheren Verschleiß, wenn abrasive Partikel im Medium enthalten sind.
Die Gesamtbetriebskosten einer Pumpe ergeben sich nicht allein aus dem Anschaffungspreis, sondern aus dem Zusammenspiel von Energieverbrauch, Wartungsaufwand und Verfügbarkeit von Ersatzteilen.
Kreiselpumpen überzeugen durch einen geringen Wartungsaufwand und wenige Verschleißteile. In der Regel sind nur die Gleitringdichtung und die Lager regelmäßig zu prüfen. Verdrängerpumpen haben konstruktionsbedingt mehr Komponenten, die einem Verschleiß unterliegen – Rotoren, Statoren, Schläuche oder Dichtungen. Dafür ermöglichen sie bei richtiger Auslegung eine sehr lange Standzeit und lassen sich in vielen Fällen schnell und einfach instand setzen.
Für den Betrieb von Lebensmittelanlagen ist eine schnelle Ersatzteilversorgung besonders wichtig, da Produktionsstillstände direkte wirtschaftliche Folgen haben. Die Entscheidung für einen Pumpenhersteller sollte daher auch die Frage einschließen, ob Ersatzteile kurzfristig verfügbar sind und ob der Hersteller technischen Support bietet.
Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht – die optimale Pumpe ergibt sich aus den spezifischen Anforderungen Ihres Prozesses. Folgende Leitfragen helfen bei der Entscheidung:
Wer diese Fragen systematisch beantwortet, legt die Grundlage für eine Pumpenauswahl, die langfristig zuverlässig funktioniert und den Betrieb nicht durch häufige Ausfälle oder überhöhten Wartungsaufwand belastet. Eine fachkundige Pumpenberatung kann dabei helfen, Fehlentscheidungen zu vermeiden und die Pumpe optimal auf das Fördermedium und die Prozessbedingungen abzustimmen.
Wir bei Steinle Industriepumpen GmbH sind seit über 30 Jahren auf industrielle Pumpenlösungen spezialisiert und kennen die besonderen Anforderungen der Lebensmittel- und Getränkeindustrie aus der Praxis. Ob Kreiselpumpe, Drehkolbenpumpe, Schlauchpumpe oder Membranpumpe – wir helfen Ihnen dabei, den richtigen Pumpentyp für Ihren spezifischen Prozess zu identifizieren und korrekt auszulegen.
Unser Leistungsangebot für die Lebensmittelindustrie umfasst:
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